TFDi_design_boeing_717

Die Boeing 717 erinnert etwas an die MD11 im Cockpit. Das liegt daran, dass McDonnell Douglas anfing, eine MD-95 zu bauen, das Projekt aber an Boeing weitergab und Boeing es dann unter der 717 weitergebaut hat. Das Schmalrumpfflugzeug treiben zwei Triebwerke vom Modell RR BR715 an und lassen das Flugzeug maximal 2.645 Kilometer lang fliegen mit maximaler Zuladung. Die Boeing 717 wurde offensichtlich für Kurz- und Mittelstrecken konzipiert und bis heute existieren 156 Exemplare, die noch alle im Betrieb sind. Im Jahre 2006 wurde die Produktion eingestellt, da die Konkurrenz wie A318, CRJ900 und Embraer 190 zu stark war. Die Boeing 717 kann aber mit Stolz behaupten, dass sie nie einen Totalverlust gehabt hat! Delta Air Lines ist der größte Betreiber der 717 mit 91 Stück, weit hinten liegen dann QantasLink mit 20, Volotea mit 18, Hawaiian Airlines mit 18 und Turkmenistan Airlines mit 17 Exemplaren.

Die amerikanische Softwareschmiede TFDi Design, bekannt für das smartCARS Tool zum Aufzeichnen von Flügen, hat sich dazu entschlossen, eine Simulation der 717 umzusetzen. Ob es den Entwicklern gelungen ist, wird sich zeigen.

Installation

Die Installation der Boeing 717 erfolgt über den TFDi Design Addon Manager. Dieser lässt sich auf der Website des Entwicklers herunterladen (ca. 23 MB). Nach der Installation des Addon Managers loggt man sich in seinen Account ein, mit dem man die 717 erworben hat. Schließlich wählt man seinen installierten Simulator aus (FSX, FSX:SE, P3Dv2 oder P3D v3) und der Manager lädt die Maschine automatisch runter und installiert sie, das war’s!

Handbuch, Software & Extras

Die Entwickler sparen bei der Dokumentation keineswegs, nur etwas nervig, dass sich die Dokumente im P3D\SimObjects\Airplanes\TFDi_Design_717\Documentation Pfad befinden. Hier findet ihr eine 27-seitige Doku, die das Vorbereiten bis hin zum Sichern des Fliegers erklärt. Eignet sich ideal für einen ersten Tutorialflug. Die anderen acht Dateien erklären die einzelnen Bereiche im Cockpit wie das Glareshield, das Overhead, Pedestal oder die gesamte MCDU.

Wie bereits erwähnt, basiert das Flugzeug auf dem Addon Manger. Dieser dient nicht nur zum Installieren, sondern auch zum Einstellen des Flugzeugs, Shared Cockpit Funktion sowie das Festlegen von Payload und Fuel.

Den Persistence Mode finde ich sehr interessant. Mit dieser Funktion kann man den Zustand des Flugzeugs nach dem Beenden des Simulators beibehalten. D.h., lassen wir nach der Landung und am Gate die Triebwerke laufen und verlassen den Simulator, sind diese beim nächsten Flug ebenfalls an, genauso wie alle Switches etc. Diese Funktion lässt sich auf alle Liveries übertragen, oder jede Livery beinhaltet ihren eigenen Zustand. Desweiteren können noch die Standardeinstellungen wie metrische oder imperiale Einheit, ADIRU Alignment Time, GPWS Callouts etc. vorgenommen werden.

TFDi Design hat sich Gedanken gemacht und der 717 ein paar extra Features mitgegeben. Darunter befindet sich die immer beliebter werdende Shared Cockpit Funktion, d.h. man kann zusammen mit Freunden, die die 717 ebenfalls besitzen, in einem virtuellen Cockpit fliegen so wie in der Realität. Da die meisten Flieger eigentlich für den Multi-Crew Betrieb gebaut wurden, ist das Feature definitiv ein Must-Have. Bekannt ist Shared Cockpit ebenfalls beim Aerosoft Airbus und bei der Majestic Dash 8.

Ein weiteres tolles Feature, das ich mir persönlich in jedem Flugzeug wünsche, ist, ein integriertes Tablet. Ja genau, TFDi Design hat im Cockpit der 717 ein Tablet-PC verbaut, der für die Exterior Steuerung (Türen, Ground Unit, Chocks, etc), Shared Cockpit Funktion und Dokumente zuständig ist. Besonders die App „Documents“ auf dem Tablet ist klasse. Hier kann man sich bspw. seine eigenen Checklisten, Charts oder andere Dokumente ablegen und im virtuellen Cockpit anschauen. Wie das funktioniert steht selbstverständlich im Handbuch.

Außen- und Innenmodell

Das Außenmodell ist fantastisch. Der Detailgrad der 717 ist wirklich sehr hoch. Die Switches im VC haben eine tolle Animation und sehen scharf und realistisch aus. Die Texturen sind scharf und lassen den Flieger einfach wunderschön aussehen. Ich habe selten so ein gutes Außen- und Innenmodell gesehen. Die Schatten sind auf jeden Fall gelungen und lassen das VC noch realistischer wirken. TFDi hat es wirklich raus gehauen mit dem Modell. Standardmäßig liefert der Entwickler drei Liveries mit, die gedownloaded werden müssen: Delta Air Lines, Hawaiian Airlines und Qantas Link. Ebenfalls hat TFDi Design ihre eigene House Livery entwickelt, wenn ihr mich fragt, ist das eine ziemlich gut aussehende Lackierung und ich muss sagen ich fliege nur mit dieser. Wünschenswert wäre noch eine Option gewesen (kommt ja vielleicht noch), eine dreckige Version der Livery auszuwählen.

Sound

Nachdem die Texturen und das Modelling so gelungen waren, hat TFDi Design beim Sound grade so weitergemacht. Angefangen von den leisen Sounds wie Switches, Buttons etc., die sich toll anhören, bis zu der APU und den Engines. Das EGPWS klingt grandios, hier gibt es einfach nichts mehr zu sagen. Im Cockpit fühlt man sich auch im Cockpit, so muss das sein! Da die beiden Triebwerke ganz hinten am Flieger sitzen, ist der Enginesound beim Hochspulen eher deutlich hörbar. Im Idlemode hat man ein angenehmes Vibrieren im Ohr, das nicht den Rest der Sounds übertrumpft.

Systemtiefe

Sobald man im Cockpit Platz nimmt, weiß man schon, hier wurde eine gute Systemtiefe realisiert. Batterien anschalten, Ground Power anschließen und die 717 fährt ihre Systeme hoch. TFDi Design hat sich viel Mühe gegeben, das korrekte Verhalten der Maschine umzusetzen. Ich bin kein Pilot deshalb kann ich nur das Flugverhalten im Simulator bewerten und das ist hier definitiv gelungen. Sehr akkurates Ansprechverhalten der Tragflächen und man merkt, wie das verhältnismäßig kleine Flugzeug bei Winden, Turbulenzen etc. schon etwas mehr weggedrückt wird und nicht steif in der Luft bleibt. Die MCDU ist immer so eine Sache bei Addon-Fliegern. Es gibt Entwickler, die reizen den Bordcomputer bis ins letzte Detail aus, es gibt aber auch Entwickler, die nicht in der Lage sind zwei unabhängig funktionierende MCDUs zu basteln und nur mit beschränkter Systemtiefe. Bei der TFDi Design 717 liegen wir in der Mitte der beiden Fälle, Tendenz aber Richtung „gut gelungen“. Sehr nervige Probleme wie das Fehlen der voraussichtlichen Treibstoffmenge, falsches Übernehmen der ILS Frequenz etc. machen es schon zu einer kleinen Qual. Ein dicker Minuspunkt geht aber an den fehlenden Top of Descent. Dieser wird weder ausgerechnet, noch auf dem Navigation Display angezeigt. Das Flugzeug sinkt automatisch, sofern man die MCP Altitude resettet hat, aber wie gesagt, ohne TOD. Es gibt zwar eine Faustformel zum Berechnen des TOD, aber dennoch ist das ein Feature, das definitiv simuliert sein sollte. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Umsetzung vom Autothrust im Landeanflug bzw. kurz vorm Touchdown. In der eigentlichen 717 funktioniert das so, dass ca. 30 Fuß über Grund der A/T automatisch deaktiviert wird, sodass der Pilot den Schubhebel zurückziehen und den Reverser raushauen kann. Bei meinem ersten Landeanflug konnte ich getrost einen Go Around machen, da die Geschwindigkeit viel zu hoch war und der Vogel nicht runterkommen wollte, sehr nervig. Abschließend kann man zur Systemtiefe sagen, dass hier auf jeden Fall noch Luft nach oben ist, aber dennoch haben wir mit der 717 eine solide Simulation bekommen.

Performance

Anfangs galt die TFDi Design als nicht sehr performant und viele Nutzer beklagten sich über die schlechte Framerate. Mittlerweile hat der Entwickler die Performance mit Patches so verbessert, dass ich persönlich keine  großen Performanceeinbußen hinnehmen musste. Ich habe meinen Prepar3D zwar auf 30 FPS limitiert, aber diese wurden so ziemlich immer eingehalten, sprich: der Simulator lief flüssig im VC sowie in der Außenansicht. Der VAS Verbrauch war anfangs ebenfalls zum Verzweifeln, aber auch hier hat TFDi Design mit einem Patch nachgelegt und soweit es ging die Maschine optimiert, das kann ich so bestätigen.

[Review] TFDi Design 717

[Review] TFDi Design 717
8.67

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Zusammenfassung

Mit der Boeing 717 hat TFDi Design eine Lücke in der Simulatorwelt geschlossen. Das Kurz- und Mittelstrecke Flugzeug ist zwar nicht allzu weit verbreitet, bietet dennoch eine Menge Spaß und ist neben der Majestic Dash 8 ein weiterer toller Hopper. Das Modell und die Texturen sind den Entwicklern sehr gut gelungen. In der Systemtiefe müssen unbedingt die kleinen Probleme wie die fehlende TOD-Berechnung und die Beschränkte Autothrust-Funktion behoben werden. Des Weiteren hätte ich mir noch ein Performancecalculator gewünscht. Ansonsten ist die Systemtiefe gut umgesetzt. Die Performance des Fliegers ist mittlerweile gut und man hat ein flüssiges Simulatorerlebnis. Von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung. Der Kunde bekommt eine sehr gute Leistung für sein Geld und wird es nicht bereuen.