[Review] Aerosoft/Digital Aviation CRJ 700/900 X

Lange ist es her als die Entwicklung der Bombardier CRJ 700/900 begonnen hat und nun wurde sie nach ungefähr acht Jahren veröffentlicht. Das ist eine lange Zeit, aber man bedenke, dass das Projekt ein Ein-Mann-Projekt ist. Dieser eine Mann (Hans Hartmann) hatte gewisse Ansprüche an sich selbst gestellt und eine Vorstellung gepflegt, wie komplex und welche Systemtiefe das Flugzeug letztendlich haben soll. Man sollte sich eventuell gar nicht an der Entwicklungszeit orientieren, sondern einfach nur den Release genießen und froh sein, einen weiteren Regionaljet in der Flugsimulatorszene begrüßen zu dürfen. In diesem Sinne freue ich mich, die Bombardier CRJ 700/900 der Firma Digital Aviation (veröffentlicht von Aerosoft) auf Herz und Nieren testen zu dürfen!

Infos vorab: Mein Testsystem findet ihr unter dem Reiter „Das PC-System„. Das Review wurde mit der CRJ-Version 1.0.0.5c verfasst.

 

Aerosoft CRJ Review

 

Allgemeines

Der kanadische Flugzeughersteller Bombardier taufte einst das Flugzeug als Canadair CL-600 (Challenger 600). Es diente damals als Businessjet und wurde dann mit einem gestreckten Rumpf, verbesserten Triebwerke sowie neuentwickelte Flügel geupgradet und umbenannt zum Canadair Regional Jet (CRJ). Auf den ersten Blick ist klar, dass der Flieger für den Kurz- und Mittelstreckenbetrieb konzipiert wurde und als Regionaljet seine Dienste leisten soll.

Die Baureihe der CRJ besteht aus verschiedenen Modellvarianten wie der CRJ100, -200, -440, -700, -705, -900 und -1000, wobei der CRJ1000 die neueste und modernste von allen ist (Fly-By-Wire System, Carbonbremsen, verstärkte Tragflächen etc.). Wir konzentrieren uns aber auf die 700 bzw. 900 denn darum soll es ja gehen. Der CRJ900 ist 36m lang und hat Platz für 90 Passagiere. Die am Rumpf montierten Triebwerke des Typ CF34 wirken unscheinbar, liefern aber eine Menge Schub. Insgesamt kann der Bombardier CRJ900 ca. 2.500 km (1.350 nm) mit voller Besetzung fliegen ohne eine Zwischenlandung einlegen zu müssen. Die kleinere Variante, der CRJ700, kann insgesamt 75 Fluggäste tragen und ohne Stopp ungefähr 3.000 km (1.650 nm) fliegen. Die Triebwerkstypen sind bei beiden Ausführungen identisch. Im Größenvergleich hat die 700 eine ca. ein Meter kürzere Spannweite als die 900. Außerdem ist sie ca. vier Meter kürzer.

 

Kauf / Download / Installation

Der Kauf kann über verschiedene Plattformen erfolgen. So kann die Maschine bspw. im Aerosoft-Shop oder auf Simmarket für 49,95 € bzw. 49,96 € erworben werden. Derzeit ist es nur möglich das Downloadprodukt zu kaufen, eine Box-Version ist zum Zeitpunkt dieses Reviews noch nicht erschienen, ist aber geplant. Der Preis dafür liegt laut Aerosoft-Shop bei 49,99 € zzgl. Versandkosten. Die Größe des Downloads liegt ungefähr bei 1,1 GByte. Wer die Prozedur der Installation von Aerosoftprodukten kennt, weiß, dass diese ziemlich einfach ist. Lediglich den Installer starten, Produktschlüssel sowie E-Mail Adresse eingeben, Virenscanner am besten temporär ausschalten und schlussendlich noch die passende Simulatorsoftware auswählen. Das war’s!

 

Installationsumfang

Neben dem eigentlichen Bombardier CRJ 700/900 liefert Aerosoft noch einiges an Material mit. Neben zehn PDF-Dokumenten ist noch ein eigener Fuel- & Payload Manager für beide Modellvarianten enthalten. Der ein oder andere fragt sich bestimmt, warum so viele PDFs dabei sind. Ganz einfach: Aerosoft hat sich viel Mühe gemacht um eine ausführliche Dokumentation der CRJ zu bieten. Diese zehn Dokumente bestehen aus zwei AOCs (Aircraft Operation Manual), einem Quick Reference Guide, einem sehr ausführlichen Tutorial, einer Checkliste des Fliegers sowie diversen Konfigurationsanleitungen. Ihr seht vielleicht schon, reinsetzen und losfliegen wird nicht so schnell gehen, es bedarf etwas an Vorarbeit.

crj_dokumentation

Der CRJ Manager bietet eine ausführliche Konfiguration der Payload und der Treibstoffberechnung. Die Payload und das Fuel können dann, wenn der Simulator läuft, direkt in das Flugzeug geladen werden. Im zweiten Tab des Managers „Options“ können diverse Einstellungen für den Flieger selber vorgenommen werden. So ist es bspw. möglich DAVE ein- und auszuschalten oder die verschiedenen Soundquellen des Flugzeuges zu justieren. Wer und was DAVE eigentlich ist, verrate ich nicht ;-).

crj_manager_payload

 

crj_manager_optionen

 

Schlussendlich gehört natürlich der schon aus der Airbus-Reihe bekannte Livery Manager zum Lieferumfang dazu. Er ist ziemlich selbsterklärend und kinderleicht zu bedienen. Apropos Livery: nach der Installation stehen dem Nutzer je 13 Liveries für jede Modellvariante zur Verfügung. Die Community ist fleißig und hat bereits weitere Lackierungen erstellt (zu finden im Aerosoft Forum).

 

CRJ Livery Manager

 

Außenmodell

Kommen wir zur ersten Station, dem Außenmodell. Es gibt zwar hier und da ein paar Stellen die unscharf wirken, aber unterm Strich wurde hier solide Arbeit geleistet. Zu den weniger gut gelungen Arbeiten zählen z.B. die verschwommenen Texturen der Livery, sowie der einzelnen Objekte wie dem Pitotrohr oder den Nieten. Hier könnte es eindeutig schärfer sein. Dies fällt besonders auf den Flügeln und dem vorderen Teil des Jets auf. Das Fahrwerk der CRJ ist hingegen anständig modelliert. Detaillierte Mechanik und sehr hochauflösende Textur. Ebenfalls auffallend ist die sehr gute Modellierung der Landelichter und Navigationslichter an den Flügeln.

Kommen wir zum Heck. Die kleinen Triebwerke mit viel Power sind das Beste am gesamten Flieger. Hochauflösende Nachbildung der GE CF34 Engines. Ich habe das Gefühl, dass die Textur (Nieten, Übergange der Metallplatten etc.) sowie die Livery immer hochauflösender werden, je weiter es nach hinten geht. Die Steuerflächen zeigen ebenfalls eine realistische Nachbildung, besonders mit Sonnenreflexion sind sie eine Augenweide.

 

Das Innenleben der CRJ

Herein in die gute Stube heißt es nun. Willkommen im Cockpit der Bombardier CRJ, fernab von Airbus und Boeing! Hier kann man ganz klar die sehr gute Umsetzung von Buttons und Schaltern erkennen. Leider ist die Textur auf den Objekten – wie beim Außenmodell – nicht sehr gut gelungen. Betrachten wir die Tastatur vom FMC. Dort haben wir eine klasse Textur, scharf und lesbar. Geht unser Blick aber etwas nach rechts zum lower ECAM sehen wir einen beträchtlichen Unterschied. Schade, dass diese Texturqualität nicht konsequent beibehalten wurde. Vielleicht in einem Update. Allgemein sind die Displays sehr gut lesbar und weisen einen angenehmen Farbkontrast auf.

Wie sieht es bei Nacht aus? Die Beleuchtung der einzelnen Buttons und Schalter machen auf jeden Fall etwas her. Mir ist das manchmal etwas zu dunkel, dafür gibt es dann das Flood Light, das das Cockpit auch nicht zu hell erleuchten lässt. Dank dem Dynamic Lighting von P3D V4 sieht die Textur auch nicht verfärbt und kantig aus, sondern recht weich. Hier sehe ich einen klaren Pluspunkt der Bombardier.

Sound

Die Musik, ich meine die Triebwerke, klingen außen klasse! Sie hören sich sehr echt an, als würde im Zimmer eine reale Turbine gestartet werden. Am meisten überzeugt hat mich der Sound der APU. Das Hochfahren der Hilfsturbine ist einfach großes „Ohrenkino“. Beispielsweise ist der Übergang vom Hochfahren zur Nenndrehzahl nahtlos und klingt sehr realistisch.

Während die Triebwerke draußen für Radau sorgen, bleibt es im Cockpit verhältnismäßig ruhig. Das liegt nicht an einer schlechten Umsetzung, sondern man muss beachten, dass die Triebwerke am Heck montiert sind. Demzufolge kommt der meiste Sound von der Lüftung bzw. der Avionic. Das Starten der Engines nimmt man natürlich akustisch wahr aber wie es eben auch in dem echten CRJ ist, recht leise und unscheinbar.

Die Bedienknöpfe, Buttons und Switches haben alle einen eigenen Sound verpasst bekommen. Diese klingen nicht allzu spektakulär. Die Callouts des GPWS (Ground Proximity Warning System) haben eine gute Soundqualität, da gibt es nichts auszusetzen.

Sobald man mit dem Flugzeug abgehoben ist begleiten einen die Geräusche des Windes. Diese besagten Geräusche sind nicht zu laut und nicht zu leise, sondern haben einen angenehmen Pegel. Jedoch kann der Benutzer im CRJ Manager die einzelnen Soundquellen individuell anpassen (GPWS, Avionics, Ambiente, TCAS, Cabin, Ground Vehicles und APU).

 

Systemtiefe / Bedienbarkeit

In Hinblick auf die Bedienung der einzelnen Elemente im Cockpit würde ich sagen, dass 90% funktioniert/animiert ist. Darunter befinden sich Kleinigkeiten wie Oxygen Test, Aircam, Door Lock etc. Die Fensteranimation ist leider nicht implementiert.

Die beiden FMS Bordcomputer haben mich am meisten überzeugt. Sie funktionieren nicht nur unabhängig voneinander, sondern bieten auch eine adäquate Systemtiefe. So gut wie jede Taste und jede Seite im FMS wurde umgesetzt und funktioniert. Vom IRS Alignment über die SID/STAR Auswahl bis hin zur Approach Calculation, alles dabei. Da das FMS beim Programmieren die häufigste Fehler- und Absturzursache ist, gibt es hier noch Bugs die im schlimmsten Falle zum CTD (Crash to Desktop) führen können (v1.0.0.5c).

Einmal den Kopf nach oben Richtung Overheadpanel drehen bitte. Auch hier wurde jeder Button und jeder Switch umgesetzt und hat eine Funktion. Das Fuelmanagement, die Air Conditioning sowie die Hydraulik sind äußerst realistisch programmiert. Ich habe jetzt schon von mehreren CRJ-Piloten gehört, dass der Fuelflow, Engine Start Up, die Systemtests etc. sehr an der Realität anknüpfen. Ich denke darauf kann man sich etwas einbilden.

Das Bedienen der Elemente mit der Maus ist noch nicht ganz perfekt. Die Werte ins MCP eindrehen, das Ändern der Frequenz und die Bedienbarkeit der Switches ist klasse. Ich habe aber schon öfters beobachtet, dass manchmal die Buttons wieder rausspringen. Wenn ich bspw. die Boost Pumps eingeschaltet habe, tauchten sie wie sie sollen ein, aber sprangen dann nach ein paar Sekunden wieder raus. Das sollte definitiv nicht so sein (v1.0.0.5c).

Der Entwickler hat in der CRJ einen Tablet-PC integriert mit äußerst hilfreichen Features. Von dem Tablet aus kann man Checklisten aufrufen, die Payload und das Fuel direkt im Flieger setzen (es bleibt einem offen, ob man den CRJ Manager oder das Tablet zum Beladen/Betanken nutzt), die V-Speeds ausrechnen lassen oder auch die Türen und Ground Services steuern. Es ist leider so, dass die notwendigen T/O-Trims nur im CRJ Manager ausgerechnet werden, nicht im Tablet.

Ein weiteres Extra ist das Headup Guidance System. Dies ist bereits aus der PMDG 737 oder der Majestic Dash 8 bekannt. Dazu gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Die Funktion des HGS ist vorhanden und hat auch keine Performanceauswirkungen, die wahrnehmbar sind.

Systemtiefe des Aerosoft CRJ

 

In der Luft

Ist die Bombardier erstmal in der Luft beginnt schon das eigentliche Abenteuer. Der CRJ fühlt sich beim manuellen Fliegen super angenehm an. Um genau zu sein merkt man die Massenträgheit und das Gefühl wirklich ein Flugzeug zu fliegen und keine Cessna, die bei jedem Atemhauch nach links oder rechts steuert. Das Flugzeug an sich besitzt keinerlei Autothrottle wie bei der Dash 8. Es kommt das Gefühl auf als würde der CRJ lieber von Hand geflogen werden wollen, als sich vom Autopilot führen zu lassen.

Nach dem Start gilt es ein paar Dinge zu beachten. Einfach LNAV & VNAV rein und A/P on ist nicht. So muss immer auf den Speed geachtet werden um ein Overspeed zu vermeiden. Parallel dazu müssen die Flaps passend eingefahren werden und noch per Hand bis zu einer gewissen Höhe den Flightpath so genau wie möglich abfliegen bis es heißt „NAV mode“ und „Autopilot on“. Die gewöhnliche Geschwindigkeit der CRJ liegt in der Reiseflughöhe bei ca. 0.74 Mach die es manuell zu halten gilt. Erfahrungsgemäß kann ich sagen, dass hier die Schubhebel nur ein kleines bisschen korrigiert werden müssen um die zu anstrebende Geschwindigkeit halten zu können. Man sollte immer bedenken, dass die meisten Verkehrsflugzeuge für zwei Piloten konzipiert worden sind. Für uns Hobbypiloten eine Herausforderung, die es immer zu meistern gilt. Ich denke da spontan an einen Non-Precision Approach in Frankfurt zur Rush Hour und dann noch online.

 Aerosoft CRJ Flugphysik

 

Performance (Testsystem)

Im Aerosoft Forum gibt es Benutzer, die von massiven Performanceprobleme berichten. Demgegenüber kann ich aber sagen, dass der CRJ keineswegs Probleme macht in Hinblick auf die Frames. Es ist eines der performanteren Flugzeuge für den Simulator. Ich würde sagen performancetechnisch ist es mit der Majestic Dash 8 vergleichbar. Bezüglich VAS-Benutzung kann ich nichts sagen, da ich P3D V4 nutze. Nichtsdestotrotz mutmaße ich, dass der CRJ keinerlei signifikante Mengen an Speicher benötigt.

 

Zukunft

Aerosoft hat vor Release ganz klar gesagt, dass nach der Veröffentlichung des CRJ laufend Fixes gebracht werden. Die Maschine galt nicht als ein Produkt das zu 100 % fertiggestellt ist, leider übersehen das die meisten. Der Entwickler arbeitet stetig an Hotfixes um den Flieger besser zu machen. Es wird explizit auf die Community eingegangen und aktiv mit ihr zusammengearbeitet. Das finde ich sehr gut. Der Anspruch von Herrn Hartmann ist es, den Flieger fehlerfrei zu fixen und dann in Zukunft die Systemtiefe zu erweitern. Außerdem soll es noch ein paar kleinere Überraschungen geben. Wir können also gespannt sein.

Aerosoft CRJ Bugfixes

 

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[Review] Aerosoft/Digital Aviation CRJ 700/900 X

[Review] Aerosoft/Digital Aviation CRJ 700/900 X
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Fazit

Mit dem Aerosoft CRJ 700/900 X wurde endlich die große Lücke der Kurz- und Mittelstreckenflieger geschlossen. Digital Aviation ist es gelungen eine gute Umsetzung des Jets in die Welt der Flugsimulation zu bringen. Die Modellierung ist gelungen wobei es hier und da noch Verbesserungsbedarf gibt. Die Systemtiefe und die Bedienbarkeit machen aber diesen Bedarf wieder wett. Ich habe mit dieser Systemtiefe nicht gerechnet und wurde sehr positiv überrascht. Der Flieger bietet eine angenehme und durchaus realistische Flugdynamik (bestätigt von CRJ-Piloten), mit welcher das manuelle Fliegen den Hobbypiloten eine Menge Spaß bereitet. In Hinblick auf die Performance spielt der CRJ in der oberen Liga mit. Das Addon kostet knapp 50 Euro. Wenn ich mir nun anschaue welche Leistung ich für das Geld bekomme, dann kann ich nur eine zweifellose Kaufempfehlung aussprechen. Well done!

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